Wahrnehmung und Wirkung

Holger HEID • 6. Mai 2026


Als Führungskraft war ich überzeugt, neutral zu handeln. Heute weiß ich, dass mein Verhalten auf meine Mitarbeitenden wirkte. Kognitiv konnte ich mir so einiges vornehmen, doch alles entscheidend war meine Wirkung, und diese war oft gar nicht neutral. Daraus lernte ich, dass das Gefährliche nicht „Fehler“ in der Führung sind, sondern eine unbewusste Führung.


Woher weißt du eigentlich, was du beim Gegenüber auslöst?


Nehmen wir mal Kontrolle versus Vertrauen. Was stellen die Begriffe dar? Sind das Werte oder Einstellungen für dich?

Kontrolle entsteht aus innerer Unsicherheit und sucht Sicherheit im Außen. Du misst, vergleichst, prüfst und erntest i.d.R. Anpassung bis hin zu innerem Rückzug. 

Vertrauen entsteht aus innerer Sicherheit und erlaubt Spielraum. Es fördert Denken und Mitverantwortung. Setzt allerdings Klarheit voraus, damit es nachhaltig wirken kann. 


Vertrauen ist dabei keineswegs weich, wie ich es schon oft als erste Reaktion von Klienten zu Ohren bekam. Genauso wenig steht Kontrolle für Stärke. Beides sind Reaktionen auf den inneren Zustand der Führungskraft.


Dein innerer Zustand wirkt, viel mehr als Worte. Er zeigt sich dann im Ton, im Niveau deiner Präsenz und wie du dich verhältst. Das Nervensystem deines Teams liest schneller als der Verstand. Co-Regulation oder emotionale Ansteckung treten hier auf. Es kommt folglich zu Resonanz oder Dissonanz. 


Stellt sich die Frage, warum wir es nicht einfach umsetzen? Und diese Frage dürfen wir uns nicht nur in diesem Kontext stellen. 5% unseres Alltags geschehen bewusst, 95% unbewusst. Das ist auch ein Grund dafür, warum so viele guten Vorsätze am Anfang des Jahres scheitern. Wenn wir uns etwas kognitiv vornehmen, arbeiten wir gegen 95% unbewusster Muster.


Lege den Fokus mehr auf Selbstwahrnehmung und weniger auf Inhalte, Messmethoden und Ziele. Lerne dich selbst zu regulieren und deine Wirkung auf andere zu lesen. Sorge dafür, dass deine Worte und dein innerer Zustand übereinstimmen. Blinde Flecken erkennst du selten allein. Sparring hilft dir zu erkennen und in die Umsetzung zu kommen.


Wann hat dir dein Team zuletzt ehrlich gesagt, wie es sich mit dir anfühlt?

Welche Reaktion deines Teams überrascht dich immer wieder?

Und was sagt das über deinen inneren Zustand aus?


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