Coaching und Unternehmensstrukturen

Man kann eine Führungskraft nicht so lange coachen, bis eine widersprüchliche Führungsstruktur funktioniert.
Ein Fall aus meiner Arbeit, in den Details verändert:
Eine junge Führungskraft übernimmt die Verantwortung für ein größeres Team.
Ihr Vorgesetzter erwartet, dass sie seinen Führungsstil übernimmt. Seine Anweisungen bleiben häufig unklar. Vereinbarungen werden getroffen und später von ihm selbst übergangen. Gleichzeitig greift er aufgrund seiner hierarchischen Position immer wieder direkt in ihr Team ein.
Die junge Führungskraft trägt Verantwortung, einen verlässlichen Führungsraum hat sie kaum.
Was von außen wie Unsicherheit, mangelndes Durchsetzungsvermögen oder fehlende Führungskompetenz aussieht, ist in diesem Fall die Folge einer strukturell geschwächten Rolle.
Coaching kann ihr helfen, die Dynamik zu erkennen, das eigene Rollenverständnis zu schärfen, ihre Wirkung zu reflektieren und eine klares Gespräch mit dem Vorgesetzten vorzubereiten.
Es kann jedoch kein eindeutiges Mandat, verbindliche Absprachen und klare Entscheidungsbefugnisse ersetzen.
Bevor eine Führungskraft von Unternehmen ins Coaching geschickt wird, sollten deshalb drei Fragen geklärt werden:
- Ist ihre Rolle eindeutig definiert?
- Passen Verantwortung und Entscheidungsbefugnis zusammen?
- Ist der Vorgesetzte bereit, ihren Führungsraum zu respektieren?
Wer Verantwortung trägt, muss auch Raum für eigenständige Führung geben. Andernfalls wird eine Führungskraft an einem Auftrag gemessen, den sie kaum erfüllen kann.
Wer muss in solchen Situationen eigentlich entwickelt werden: nur die neue Führungskraft oder auch ihr Vorgesetzter?
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