Wer sich unersetzlich macht

Holger Heid • 18. August 2026

Immer ansprechbar zu sein, kann Nähe schaffen und gleichzeitig Führung schwächen.


Mein Kunde Manfred (Name geändert) ist Einkaufsleiter, sehr erfahren und fachlich top. Gleichzeitig hatte er über die Jahren ein großes Team daran gewöhnt, mit Problemen direkt zu ihm zu kommen.


Sie wussten einfach: Wenn es schwierig wird, findet unser Chef immer eine Lösung.


Das funktionierte lange erstaunlich gut. Bis es nicht mehr funktionierte. Das war im Herbst 2025.


Immer mehr Fragen, Entscheidungen und Probleme landeten bei ihm. Die Arbeitstage wurden länger, der Kopf voller und die Erholung schlechter. Zeit für die Familie? Sonntags vielleicht.


Irgendwann war aus hoher Einsatzbereitschaft Überforderung geworden. Und aus Überforderung Erschöpfung.


Im Coaching ging es deshalb nicht zuerst um Zeitmanagement oder bessere Priorisierung.


Die erste wichtige Frage war:

„Welche Probleme löst du heute, die dein Team eigentlich selbst lösen könnte?“


Die Antwort: deutlich mehr, als ihm lieb war.


Deep Dive


Als Führungskraft möchtest du ansprechbar sein. Das ist sinnvoll und schafft Vertrauen.


Problematisch wird es, wenn Ansprechbarkeit dazu führt, dass Verantwortung immer weiter nach oben wandert. Teams lernen sehr schnell, wie ein System funktioniert.


Wenn eine Führungskraft bei Unsicherheit regelmäßig übernimmt, Entscheidungen korrigiert oder sofort eine Lösung liefert, wird Rückversicherung irgendwann zum normalen Verhalten.


Die Führungskraft bekommt genau das bestätigt, was sie denkt:

„Ohne mich läuft hier nichts.“


Dei Frage ist: Läuft hier wirklich nichts ohne mich oder habe ich mein Team daran gewöhnt, dass möglichst viel über mich läuft?


Bei Manfred ging es nicht darum, weniger für sein Team da zu sein.

Er durfte lernen, anders da zu sein.


Bei Fragen nicht sofort die Lösung liefern. 

Öfter zurückfragen: 

„Welche Optionen siehst du?“

„Was brauchst du konkret von mir, das du nicht selbst herausfinden kannst?“

„Wie würdest du selbst entscheiden?“

Im ersten Moment verlangte es mehr Zeit, mittel- bis langfristig entlastete es enorm. Und es bedurfte klarer Regeln, welche Entscheidungen tatsächlich bei ihm liegen und welche nicht. All das war für alle zunächst ungewohnt.


Doch hierin lag die eigentliche Entwicklung.


Ein Team wird eigenständiger beim Umgang mit Unsicherheit. Eine Führungskraft wirksamer und klarer beim Setzen des Rahmens und Übertragung von Verantwortung.


Wo hilft deine Ansprechbarkeit deinem Team wirklich und wo verhinderst du damit ungewollt Eigenverantwortung?


Wenn dich ein Thema besonders anspricht und du merkst, dass es Zeit ist, tiefer einzusteigen: Erfahre mehr über mein Coaching und wie ich dich begleiten kann, indem du HIER  klickst.

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